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	<title>Denken Archive - Dr. Jana Bressem</title>
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	<description>die Gestiktrainerin, die anders denkt</description>
	<lastBuildDate>Sun, 26 Apr 2026 14:01:03 +0000</lastBuildDate>
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	<title>Denken Archive - Dr. Jana Bressem</title>
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		<title>Was man an Gestik wirklich ablesen kann — und was nicht</title>
		<link>https://www.janabressem.de/gestik-ablesen-was-wirklich-geht-und-was-nicht-dr-jana-bressem/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Jana Bressem]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Apr 2026 14:01:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Denken]]></category>
		<category><![CDATA[Gestik]]></category>
		<category><![CDATA[Lehre]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich lege mich mal aus dem Fenster. Die meisten Aussagen über Gestik ablesen, die Sie gehört haben, sind falsch. Nicht ungenau, nicht vereinfacht — falsch. Der Körper verrät die Lüge. An Gestik erkennt man, ob jemand nervös ist. Dominante Menschen gestikulieren mehr. Mit bestimmten Handbewegungen können Sie andere Menschen subtil beeinflussen. Pacing und Leading. Ich...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-medium-font-size">Ich lege mich mal aus dem Fenster.</p>



<p class="has-medium-font-size">Die meisten Aussagen über Gestik ablesen, die Sie gehört haben, sind falsch. Nicht ungenau, nicht vereinfacht — <em>falsch</em>. Der Körper verrät die Lüge. An Gestik erkennt man, ob jemand nervös ist. Dominante Menschen gestikulieren mehr. Mit bestimmten Handbewegungen können Sie andere Menschen subtil beeinflussen. Pacing und Leading.</p>



<p class="has-medium-font-size">Ich sage das nicht, um zu provozieren. Ich sage es, weil ich seit mehr als zwanzig Jahren Gestenforschung betreibe und weil mich diese Aussagen, offen gestanden, langweilen. Nicht weil sie harmlos wären. Sondern weil sie von etwas viel Interessanterem ablenken.</p>



<p class="has-medium-font-size">Was man an Gestik wirklich ablesen kann, ist subtiler, präziser und für alle, die Menschen führen, unterrichten oder begleiten, erheblich nützlicher als die Frage, ob jemand gerade lügt.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Erst einmal zurück in die Wissenschaft</h2>



<p class="has-medium-font-size">1992 veröffentlicht David McNeill, einer der Gründungsväter der modernen Gestenforschung, sein Buch <em><a href="https://press.uchicago.edu/ucp/books/book/chicago/H/bo3641188.html">Hand and Mind</a></em> (University of Chicago Press). Seine These, die das Feld bis heute prägt: Gesten sind keine bloße Begleiterscheinung von Sprache. Sie sind ein eigenständiger Modus des Denkens — sichtbar gemachte Kognition. McNeill nennt sie ein „Fenster zum Geist“.</p>



<p class="has-medium-font-size">Das klingt nach einer akademischen Feinheit. Es ist aber eine grundlegende Umkehrung dessen, wie wir Gestik gewöhnlich verstehen. Gesten sind demnach kein Spiegel innerer emotionaler Zustände, kein unwillkürliches Verraten. Sie sind <em>aktiver Teil des Sprachproduktionsprozesses</em>, eng verzahnt mit Gedanken, Vorstellungen und der Art, wie wir Bedeutung aufbauen.</p>



<p class="has-medium-font-size">Was folgt daraus? Dass ich an Gestik nicht ablesen kann, ob jemand lügt oder nervös ist oder mich dominieren will. Was ich ablesen kann: <em>wie</em> jemand denkt. Wie sich jemand etwas vorstellt. Und was dieser Person gerade besonders wichtig ist.</p>



<p class="has-medium-font-size">Das ist der Unterschied, um den es in diesem Beitrag geht.</p>



<p class="has-medium-font-size">Wie Gestik im Unterricht konkret Aufmerksamkeit steuert, habe ich in einem eigenen Beitrag beschrieben: <a href="https://www.janabressem.de/gestik-im-unterricht-aufmerksamkeit-steuern/">Gestik im Unterricht: Aufmerksamkeit steuern</a></p>



<h2 class="wp-block-heading">Was man an Gestik ablesen kann: Vorstellung und mentale Repräsentation</h2>



<p class="has-medium-font-size">Stellen Sie sich vor, ein Kind erzählt vom Ausflug in den Zoo. Es sagt: „Und dann sind wir ganz schnell gerannt“ und dabei fliegen die Arme nach hinten, die Schultern ziehen sich zusammen, der ganze Oberkörper wird zum Sprint. Das Kind erinnert sich nicht nur an das Rennen. Es erlebt es noch einmal, versetzt sich körperlich in den Moment zurück, erlebt ihn noch einmal im eigenen Körper. Die Geste zeigt: Das Kind ist in der Szene. Es ist die rennende Figur.</p>



<p class="has-medium-font-size">Die Gestenforschung hat für diesen Unterschied präzise Begriffe entwickelt: <a href="https://press.uchicago.edu/ucp/books/book/chicago/H/bo3641188.html"><em>Character Viewpoint</em> und <em>Observer Viewpoint</em></a>.</p>



<p class="has-medium-font-size">Bei einer Character-Viewpoint-Geste schlüpft die sprechende Person in die Rolle einer Figur im Geschehen: die Hände und der Körper führen aus, was die Figur tut, orientiert sich so, als wäre man selbst in der Szene. Bei einer Observer-Viewpoint-Geste bleibt die Person außen: Sie beschreibt, wie Objekte oder Figuren sich relativ zueinander verhalten, wie in einem Schaubild oder auf einer Karte, gesehen von oben.</p>



<p class="has-medium-font-size">Beide Perspektiven sind kommunikativ vollwertig, aber sie tun unterschiedliche Dinge. Und genau das ist es, was für alle relevant ist, die beruflich mit Menschen sprechen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Im Unterricht: Miterleben oder analysieren?</h3>



<p class="has-medium-font-size">Stellen Sie sich eine Lehrkraft vor, die eine Szene im Englischunterricht erklärt: eine Figur gibt einer anderen etwas. Wenn die Lehrkraft dabei den Arm ausstreckt, als würde sie selbst etwas überreichen, dann nutzt sie Character Viewpoint. Die Lernenden erleben die Handlung von innen — als körperlichen Akt, als Beziehung, als Moment.</p>



<p class="has-medium-font-size">Erklärt dieselbe Lehrkraft dieselbe Szene aus der Beobachterperspektive. Sie zeichnet eine Linie in die Luft, deutet an, dass etwas übergeben wurde, verlagert sich der Fokus. Das Geben wird schematisch, abstrakt. Es ist nicht mehr eine Handlung, die man nachfühlt, sondern ein Vorgang, den man betrachtet.</p>



<p class="has-medium-font-size">Beide Perspektiven sind im Unterricht sinnvoll, aber nicht beliebig austauschbar. Character Viewpoint eignet sich, wenn eine Handlung eingeleibt werden soll: beim Vormachen, beim Erzählen, beim Erklären von Prozessen, die man nachvollziehen soll. Observer Viewpoint eignet sich, wenn ein Sachverhalt übersichtlich und distanziert dargestellt werden soll — Raumrelationen, Strukturen, Beobachtungsaufgaben.</p>



<p class="has-medium-font-size">Heißt konkret: Eine Lehrkraft kann mit der Gestenperspektive steuern, ob Schülerinnen und Schüler eher miterleben oder eher analysieren sollen. Das ist kein stilistisches Detail. Es ist ein didaktisches Werkzeug und ein unbewusstes Wechseln zwischen beiden Perspektiven kann erklären, warum Lernende manchmal nicht ganz folgen können, obwohl die Erklärung sachlich stimmt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">In der Führung: Nähe oder Überblick?</h3>



<p class="has-medium-font-size">In Führungssituationen verändert die Gestenperspektive, wie eine Botschaft wirkt — unabhängig von dem, was verbal gesagt wird.</p>



<p class="has-medium-font-size">„Wir gehen diesen Weg gemeinsam“ — gesagt mit einer Character-Viewpoint-Geste, die ein Mitgehen körperlich andeutet, wirkt anders als dieselbe Aussage mit einer Observer-Viewpoint-Geste, die eine Route von außen beschreibt. Im ersten Fall signalisiert der Körper: Ich bin dabei, ich gehe mit. Im zweiten: Ich sehe das Ganze, ich überblicke es.</p>



<p class="has-medium-font-size">Das sind keine Widersprüche, aber sie kommunizieren unterschiedliche Rollen. Character Viewpoint markiert Nähe, Empathie und gemeinsames Handeln. Observer Viewpoint markiert Distanz, Überblick und — in bestimmten Kontexten — Beurteilung.</p>



<p class="has-medium-font-size">Das wird besonders relevant in Feedbackgesprächen und Konfliktsituationen. Wenn eine Führungskraft eine schwierige Situation schildert und dabei körperlich in die Innenperspektive der betroffenen Person wechselt — Character Viewpoint — dann macht sie Empathie sichtbar, nicht nur verbal behauptbar. Observer Viewpoint in derselben Situation wirkt analytischer, manchmal auch kühler. Beides kann angemessen sein. Aber es sollte eine Entscheidung sein, keine Gewohnheit.</p>



<p class="has-medium-font-size">Kurz gesagt: Character Viewpoint verbindet, Observer Viewpoint ordnet. In Unterricht und Führung ist diese Unterscheidung deshalb wichtig, weil sie nicht nur Verständlichkeit, sondern auch Beziehung und Perspektive mitkommuniziert. </p>



<p class="kt-adv-heading4249_05647c-4b wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading4249_05647c-4b"><em>„Character Viewpoint verbindet, Observer Viewpoint ordnet.“</em></p>



<h2 class="wp-block-heading">Was man tatsächlich ablesen kann: Abstrakte Konzepte im Raum</h2>



<p class="has-medium-font-size">Gesten können nicht nur konkrete Ereignisse darstellen: sie verräumlichen auch abstrakte Konzepte. Und das ist eine der folgenreichsten Beobachtungen der Gestenforschung, weil es erklärt, was passiert, wenn jemand über etwas spricht, das man nicht sehen oder anfassen kann.</p>



<p class="has-medium-font-size">Zeit etwa wird in westlichen Sprachen, z.B. im Deutschen oder Englischen, häufig als horizontale Linie organisiert: Vergangenheit links, Zukunft rechts. Wenn jemand über Entwicklungsprozesse spricht und dabei die Hand von links nach rechts durch den Raum führt, zeigt er, wie er Zeit im Kopf verortet: als gerichteten Verlauf, als Pfad, als etwas Lineares. Diese <em><a href="https://press.uchicago.edu/ucp/books/book/chicago/H/bo3641188.html">metaphorischen Gesten</a></em> — ein Begriff aus der Gestenforschung — machen sichtbar, welches Bild jemand von einem Konzept hat, das sprachlich allein schwer zu greifen ist.</p>



<p class="has-medium-font-size">„Spannung“ zwischen zwei Positionen — die Hände markieren zwei Pole im Raum, der Abstand zwischen ihnen wird spürbar. „Zwei Seiten einer Medaille“ — eine Handbewegung zeigt etwas Umwendbares, Doppelseitiges, ohne dass ein Wort dafür fällt. „Wir ziehen an einem Strang“ — eine gemeinsame Zugbewegung in dieselbe Richtung, die Richtung und Zusammenhalt gleichzeitig setzt. In all diesen Momenten leistet die Geste etwas, das Sprache allein nicht leistet: Sie macht das Abstrakte körperlich erfahrbar.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Im Unterricht: Abstraktes sichtbar machen</h3>



<p class="has-medium-font-size">Für Lehrkräfte ist das besonders relevant, wenn Begriffe nicht direkt zeigbar sind, wenn „Gleichheit“, „Zusammenhang“ oder „Widerspruch“ erklärt werden müssen, ohne dass man auf etwas Konkretes zeigen kann. Metaphorische Gesten überbrücken genau diese Lücke: Sie modellieren den Begriff räumlich und geben Lernenden eine visuelle Struktur, an der sie sich orientieren können.</p>



<p class="has-medium-font-size">Das entlastet kognitiv. Wer einen abstrakten Inhalt nicht nur hört, sondern auch sieht — als räumliche Relation, als Bewegung, als Richtung — verarbeitet ihn auf zwei Kanälen gleichzeitig. Die Forschung zeigt, dass das Verstehen erleichtert und Erinnern stützt. Nicht weil Gesten dekorativ sind, sondern weil sie Bedeutung mitstrukturieren.</p>



<p class="has-medium-font-size">Konkret: Eine Lehrkraft, die beim Satz „Hier haben wir zwei Perspektiven“ die Hände an zwei verschiedenen Orten im Raum positioniert, gibt dem Begriff „Perspektive“ einen Ort. Wenn sie später auf diese Stellen zurückgreift — auch ohne das Wort zu wiederholen — aktiviert sie dasselbe mentale Bild. Die Geste wird zum Anker.</p>



<h3 class="wp-block-heading">In der Führung: Orientierung und gemeinsame Deutung</h3>



<p class="has-medium-font-size">In Führungssituationen sind metaphorische Gesten besonders dann wirksam, wenn es darum geht, Visionen, Strategien oder Beziehungen vermittelbar zu machen. Also genau dann, wenn das Gesagte abstrakt bleibt, wenn man es nicht an etwas Konkretem festmachen kann.</p>



<p class="has-medium-font-size">„Wir bauen eine Brücke zwischen den Abteilungen“ — mit einer verbindenden Bewegung zwischen zwei Punkten im Raum — ist nicht nur Metapher. Es ist ein körperliches Angebot: So stelle ich mir das vor, so verorten wir uns zueinander. Wer diese Geste macht und wer sie aufnimmt, wessen Hände anfangen, in dieselbe Richtung zu zeigen, der beginnt, dasselbe Bild zu teilen. Das ist keine Manipulation. Es ist gemeinsame Bedeutungskonstruktion.</p>



<p class="has-medium-font-size">In einem Meeting, in dem über Strategie diskutiert wird, können metaphorische Gesten deshalb zeigen, ob jemand ein Problem als Prozess denkt — Handbewegung entlang einer Achse — oder als Zustand, den man hält oder bewacht. Das sind keine trivialen Unterschiede. Sie können erklären, warum zwei Personen scheinbar über dasselbe reden und dabei komplett aneinander vorbeikommen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was man nicht ablesen kann — und warum das wichtig ist</h2>



<p class="has-medium-font-size">Ich komme zurück zu den Aussagen vom Anfang. Der Körper verrät die Lüge. Nervösität zeigt sich in der Gestik. Dominante Menschen gestikulieren mehr.</p>



<p class="has-medium-font-size">Die Forschungslage dazu ist eindeutig: Es gibt keine zuverlässigen gestischen Marker für Deception — für Lügen. <a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33381072/">Meta-Analysen</a> über Jahrzehnte der Forschung zeigen, dass kein einzelnes Verhaltenssignal zuverlässig Täuschung anzeigt. Wer glaubt, an bestimmten Handbewegungen erkennen zu können, ob jemand die Unwahrheit sagt, irrt sich: systematisch, mit realen Konsequenzen für Bewerbungsgespräche, Gerichtsverhandlungen, Elterngespräche.</p>



<p class="has-medium-font-size">Gleiches gilt für die Vorstellung, mit gezielter Gestik andere Menschen unbewusst in bestimmte Richtungen zu drängen. Die Wirkungsforschung dazu ist weit schwächer, als populäre Darstellungen suggerieren. Gestik <em>beeinflusst</em> Kommunikation: das ist unbestritten. Aber sie tut es auf eine Art, die weit weniger mechanisch, weit weniger manipulierbar ist, als es Serien wie &#8222;Lie to me&#8220; behaupten.</p>



<p class="kt-adv-heading4249_a32ca6-63 wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading4249_a32ca6-63">Das Faszinierende an Gestik liegt nicht in ihrer Eignung zur Kontrolle anderer. Es liegt darin, dass sie uns ein Fenster öffnet: ins Denken, in Vorstellungen, in das, was jemandem wirklich wichtig ist. Das ist, wenn man so will, respektvoller gegenüber dem Gegenüber. Und für Führungskräfte, Lehrende und Coaches erheblich nützlicher.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Gestik lesen heißt besser zuhören</h2>



<p class="has-medium-font-size">Wie jemand sich ein Ereignis vorstellt und aus welcher Perspektive — Character oder Observer. Wie jemand abstrakte Konzepte im Raum verortet und was das über sein mentales Modell verrät. </p>



<p class="has-medium-font-size">Keines davon erfordert eine Ausbildung in Gestenforschung. Es erfordert Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, das, was Hände tun, genauso ernst zu nehmen wie das, was wir sagen.</p>



<p class="has-medium-font-size">Eine Übung für die nächste Woche: Achten Sie in einem Gespräch oder einer Besprechung einmal gezielt darauf, ob Ihr Gegenüber eher in der Szene ist oder von außen beschreibt. Sie werden überrascht sein, was Sie sehen.</p>



<p class="has-medium-font-size">Wenn Sie noch mehr über Gesten und Denken wissen möchten,  lesen Sie hier weiter: <a href="https://www.janabressem.de/gesten-kommunikation-verbessern/">Gesten und Kommunikation</a></p>



<p class="kt-adv-heading4249_b30dcf-7b wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading4249_b30dcf-7b">Gestik ist lernbar — wenn man weiß, wonach man schaut. Wenn Sie neugierig sind, was das für Ihr Team, Ihren Unterricht oder Ihre Beratungsarbeit bedeuten könnte — ich freue mich über Ihre <a href="https://www.janabressem.de/kontakt/" type="page" id="2580">Nachricht</a>.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Häufige Fragen</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Kann man an Gestik erkennen, ob jemand lügt?</h3>



<p class="has-medium-font-size">Nein. Die Gestenforschung zeigt eindeutig: Es gibt keine zuverlässigen gestischen Marker für Täuschung. Meta-Analysen über Jahrzehnte belegen, dass kein einzelnes Körpersignal verlässlich auf Lügen hinweist. Wer das behauptet, bringt keine Forschung mit.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was ist der Unterschied zwischen Character Viewpoint und Observer Viewpoint?</h3>



<p class="has-medium-font-size">Character-Viewpoint-Gesten zeigen eine Handlung aus der Perspektive einer handelnden Figur — der Körper führt aus, was die Figur tut. Observer-Viewpoint-Gesten beschreiben das Geschehen von außen, wie auf einer Karte oder in einem Schaubild. Beide transportieren Bedeutung — aber unterschiedliche.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was sind metaphorische Gesten?</h3>



<p class="has-medium-font-size">Metaphorische Gesten verräumlichen abstrakte Konzepte. Sie machen Ideen wie „Zeit“, „Spannung“ oder „gemeinsame Richtung“ körperlich sichtbar. Der Begriff stammt aus der Gestenforschung, geprägt durch David McNeill (1992).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Warum ist Gestik für Führungskräfte und Lehrende relevant?</h3>



<p class="has-medium-font-size">Weil Gesten zeigen, wie jemand denkt: nicht ob jemand lügt. Für Führung und Unterricht bedeutet das: Man kann ablesen, aus welcher Perspektive jemand eine Situation erlebt, welche Konzepte mental klar sind, und welche Inhalte besonders wichtig sind. Das eröffnet Handlungsmöglichkeiten, die rein verbale Kommunikation nicht bietet.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Quellen</h2>



<p>Brennen, T. &amp; Magnussen, S. (2020). Research on Non-verbal Signs of Lies and Deceit: A Blind Alley. <em>Frontiers in Psychology</em>, <em>11</em>, 613410. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2020.613410</p>



<p>Hinterwimmer S, Patil U and Ebert C (2021) On the Interaction of Gestural and Linguistic Perspective Taking. Front. Commun. 6:625757. doi: 10.3389/fcomm.2021.625757</p>



<p>McNeill, D. (1992). Hand and mind: What gestures reveal about thought. University of Chicago press.</p>



<p>Stites LJ, Özçalışkan Ş. (2017). Who Did What to Whom? Children Track Story Referents First in Gesture. J Psycholinguist Res. 2017 Aug;46(4):1019-1032. doi: 10.1007/s10936-017-9476-0. PMID: 28185052.</p>
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]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gesten als Denkwerkzeug: Wie Ihre Hände Ihre Kommunikation verbessern</title>
		<link>https://www.janabressem.de/gesten-kommunikation-verbessern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Jana Bressem]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Aug 2025 06:44:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Denken]]></category>
		<category><![CDATA[Gestik und Körpersprache]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ihre Hände denken mit und können Ihre Kommunikation auf ein neues Level bringen. Ob im Meeting, im Kundengespräch oder auf der Bühne: Gesten sind mehr als nur „Körpersprache“. Gesten als Denkwerkzeuge helfen, Inhalte klarer zu strukturieren, Ihr Gegenüber zu überzeugen und komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen. Forschung zeigt: Wer gestikuliert, spricht präziser, merkt sich Inhalte...</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Ihre Hände denken mit und können Ihre Kommunikation auf ein neues Level bringen.</h2>



<p class="has-medium-font-size">Ob im Meeting, im Kundengespräch oder auf der Bühne: Gesten sind mehr als nur „Körpersprache“. Gesten als Denkwerkzeuge helfen, Inhalte klarer zu strukturieren, Ihr Gegenüber zu überzeugen und komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen.</p>



<p class="has-medium-font-size">Forschung zeigt: Wer gestikuliert, spricht präziser, merkt sich Inhalte besser und findet oft schneller kreative Lösungen. Erfahren Sie hier, wie Sie Gesten gezielt einsetzen, um Ihre Kommunikation im Beruf zu verbessern.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">1. Der rote Faden im Gespräch</h2>



<p class="has-medium-font-size">Stellen Sie sich vor, Ihre Hände spinnen beim Sprechen einen unsichtbaren Faden. Dieser „rote Faden“ führt nicht nur Ihr Publikum, sondern strukturiert auch Ihre eigenen Gedanken.</p>



<p class="has-medium-font-size">Gesten helfen Ihnen:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Komplexes verständlich zu machen</li>



<li class="has-medium-font-size">Unsichtbare Strukturen sichtbar zu zeigen</li>



<li class="has-medium-font-size">Räumliche und abstrakte Inhalte greifbar zu machen</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size">Gerade wenn Ihnen die Worte fehlen, können Ihre Hände den passenden Ausdruck finden – und so die Verständlichkeit erhöhen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">2. Gesten als Gedächtnisverstärker</h2>



<p class="has-medium-font-size">Studien belegen: Visuell unterstützte Sprache bleibt besser im Gedächtnis – sowohl bei Ihnen als Sprecher:in als auch bei Ihrem Publikum.</p>



<p class="has-medium-font-size">Beispiele:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li class="has-medium-font-size">Eine Handbewegung, die ein „werfen“ nachahmt, verankert das Wort im Kopf.</li>



<li class="has-medium-font-size">Eine Wegbeschreibung mit Handzeichen wird leichter behalten.</li>
</ul>



<p class="has-medium-font-size">💡 Praxis-Tipp: Kombinieren Sie wichtige Aussagen immer mit einer passenden Geste. Das erhöht die Merkfähigkeit und macht Ihre Botschaft einprägsamer.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">3. Gesten vernetzen Gehirnareale</h2>



<p class="has-medium-font-size">Beim Gestikulieren arbeiten Sprachzentren, motorische und visuelle Areale gleichzeitig. Das bedeutet: Sie denken, sprechen und visualisieren parallel – und steigern damit Ihre Kommunikationskraft.</p>



<p class="has-medium-font-size">Beispiel:<br>Zeigen Sie die Form eines Produkts mit den Händen, aktiviert das beim Publikum nicht nur das Sprachverständnis, sondern auch das räumliche Vorstellungsvermögen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">4. Landkarten für das Verständnis</h2>



<p class="has-medium-font-size">Unsere Hände schaffen oft unsichtbare Karten im Gespräch.<br>Beispiel: Sie platzieren im Raum „links“ die Vergangenheit, „rechts“ die Zukunft, „vorne“ die Gegenwart. Diese räumliche Konsistenz hilft Ihrem Publikum, den Überblick zu behalten.</p>



<p class="has-medium-font-size">💡 Praxis-Tipp: Etablieren Sie für komplexe Präsentationen feste Gestenräume – das erleichtert Struktur und Verständlichkeit.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">5. Komplexe Probleme mit den Händen lösen</h2>



<p class="has-medium-font-size">Wenn Sie schwierige Sachverhalte erklären oder analysieren, helfen Gesten, mentale Simulationen sichtbar zu machen. Das kann Blockaden lösen und kreative Ideen fördern.</p>



<p class="has-medium-font-size">Probieren Sie es: Erklären Sie ein Problem nicht nur mit Worten, sondern stellen Sie es mit den Händen dar. Denn Gesten als Denkwerkzeuge  helfen Ihnen, schneller zu neuen Lösungen kommen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">6. Wenn die Hände voraus sind</h2>



<p class="has-medium-font-size">Manchmal zeigen Gesten schon, dass ein Verständnis entsteht, bevor es in Worte gefasst wird.<br>Das ist besonders in Coachings, Schulungen und Führungsaufgaben interessant: Wer genau auf die Hände des Gegenübers achtet, kann oft erkennen, wo gerade ein Denkfortschritt passiert.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">7. Kreativität beginnt in der Bewegung</h2>



<p class="has-medium-font-size">In kreativen Prozessen (z. B. Design, Strategieentwicklung, Storytelling) helfen Gesten, Ideen sichtbar zu machen, noch bevor sie schriftlich oder grafisch vorliegen.</p>



<p class="has-medium-font-size">💡 Praxis-Tipp: Nutzen Sie im Brainstorming bewusst Handbewegungen, um Konzepte zu „formen“. Das erleichtert die Ideengenerierung.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">8. Abstraktes greifbar machen</h2>



<p class="has-medium-font-size">Zeit, Qualität, Vollständigkeit – abstrakte Begriffe lassen sich schwer beschreiben, aber leicht gestikulieren.<br>Ein Kreis mit den Händen signalisiert „rund“ oder „abgeschlossen“, eine Bewegung nach rechts steht für „Zukunft“.</p>



<p class="has-medium-font-size">Das Ergänzen von Sprache durch Gesten macht Ihre Botschaft präziser und emotionaler.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit – Ihre Hände sind Teil Ihrer Kommunikation</h2>



<p class="has-medium-font-size">Wer beruflich viel kommuniziert, sollte Gesten auf dem Schirm haben. Sie sind Schlüssel für Klarheit, Überzeugungskraft und Merkfähigkeit – und unterstützen Sie beim Denken selbst.</p>



<p class="has-medium-font-size">Mein Tipp: Beobachten Sie Ihre Gesten in der nächsten Präsentation bewusst. Nutzen Sie sie gezielt, um Inhalte zu strukturieren und Ideen zu verankern. Ihre Zuhörer:innen werden es Ihnen danken – und Ihr Denken wird leichter.</p>



<p class="has-medium-font-size">Schauen Sie auch gern auf <a href="https://www.linkedin.com/in/dr-jana-bressem/">Linkedin</a> vorbei. Dort finden Sie zu den einzelnen Themen noch etwas mehr Informationen. </p>



<p class="has-medium-font-size">Hören Sie auch in den Podcast <a href="https://www.youtube.com/watch?v=YVC5w27imH8">&#8222;Mut zur Stimme&#8220;</a> rein. Dort spreche ich auch über Gesten und ihre Rolle für unser Denken. Oder lesen Sie hier <a href="https://www.janabressem.de/wie-gesten-und-sprache-zusammenwirken-ein-kleine-einblick-in-ihr-enge-verbindung/">weiter</a>. </p>



<p></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.janabressem.de/gesten-kommunikation-verbessern/">Gesten als Denkwerkzeug: Wie Ihre Hände Ihre Kommunikation verbessern</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.janabressem.de">Dr. Jana Bressem</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kann Sprache unser Denken ändern?</title>
		<link>https://www.janabressem.de/kann-sprache-unser-denken-aendern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Dr. Jana Bressem]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Aug 2023 10:13:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Denken]]></category>
		<category><![CDATA[Gestik]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kann Sprache unser Denken ändern? Eine spannende Frage, die mich seit Beginn meines Studiums und eines meines erster Seminare zu indigenen Sprachen Nordamerikas immer wieder neu zum Nachdenken anregt.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.janabressem.de/kann-sprache-unser-denken-aendern/">Kann Sprache unser Denken ändern?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.janabressem.de">Dr. Jana Bressem</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="kt-adv-heading1835_c268dd-19 wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_c268dd-19">Eine spannende Frage, die mich seit Beginn meines Studiums und eines meines erster Seminare zu indigenen Sprachen Nordamerikas immer wieder neu zum Nachdenken anregt.</p>



<p class="kt-adv-heading1835_53f171-e0 wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_53f171-e0">Daher habe ich umso begeisterter mit <a href="https://sites.google.com/view/dananger-me">Dr. Daniel Angerhausen</a> und <a href="https://www.youtube.com/channel/UCesjlAoEgN_Sz_cKTvKEmmw" data-type="link" data-id="https://www.youtube.com/channel/UCesjlAoEgN_Sz_cKTvKEmmw">Dr. Whatson</a> unter anderem über dieses Thema diskutiert, basierend auf dem Film “Arrival” bei “Wissenschaftler reagieren” (<a href="https://www.youtube.com/@artede/videos">arte</a>).</p>



<h2 class="kt-adv-heading1835_be7bf2-8e wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_be7bf2-8e">Arrival oder die Geschichte, wie unbekannte Sprachen beschrieben werden</h2>



<p class="kt-adv-heading1835_949334-e8 wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_949334-e8">“Arrival” ist ein Science-Fiction-Film, in dem eine Linguistin versucht, die geheimnisvollen Absichten außerirdischer Besucher zu entschlüsseln, indem sie deren Sprache zu verstehen versucht.</p>



<h2 class="kt-adv-heading1835_ce7946-62 wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_ce7946-62">Auf sehr spannende, wenn auch nicht immer ganz korrekte Weise, stellt der Film dar, was Sprachwissenschaftler*innen tun, um unbekannte Sprachen zu beschreiben. Sie identif</h2>



<p class="kt-adv-heading1835_26b637-56 wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_26b637-56">Bei der Beschreibung der Sprache der Aliens (Heptapod) lernt die Linguistin im Film aber nicht nur die Struktur der Sprache, bspw. wie Wörter, Phrasen oder Sätze gebildet werden, sondern erwirbt auch eine neue Welt des Denkens. Weil die Schriftzeichen der Aliens nicht linear, sondern kreisförmig sind, bilden sie auch deren Verständnis von Zeit ab: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind nicht getrennt voneinander. Die Linguistin kann dadurch auch in die Zukunft blicken.</p>



<h2 class="kt-adv-heading1835_82935a-19 wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_82935a-19">Die Sapir-Whorf Hypothese oder wie Sprachen Einfluss auf unser Denken nehmen können</h2>



<p class="kt-adv-heading1835_8d7f78-27 wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_8d7f78-27">Damit greift der Film eine alte Frage der Sprachwissenschaft auf, die bis zu Wilhelm von Humboldt zurückreicht. Wie hängen Sprache und Denken zusammen? Im Film wird die Sapir-Whorf-Hypothese herangezogen: Die Sprache, die eine Person spricht, beeinflusst ihre Wahrnehmung und ihr Denken, indem sie bestimmte Konzepte und Gedanken fördert oder einschränkt.</p>



<p class="kt-adv-heading1835_6fda35-c6 wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_6fda35-c6">In dieser starken Form, nämlich als sprachlicher Determinismus, dass Sprache die Art und Weise bestimmt, wie wir die Realität sehen und wahrnehmen, wird die These heute in der Wissenschaft nicht mehr unterstützt. Und auch die Idee, die im Film postuliert wird, dass “man sein Gehirn neu vernetzen kann, wenn man in eine andere Sprache eintaucht”, hat keine empirische Evidenz.</p>



<p class="kt-adv-heading1835_d64eb1-48 wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_d64eb1-48">Für eine abgeschwächte Variante aber, die Hypothese der sprachlichen Relativät, gibt es durchaus wissenschaftliche Belege, die zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen Sprache und unserem Denken gibt.</p>



<h2 class="kt-adv-heading1835_7cad77-57 wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_7cad77-57">Wie hängen Sprache, Denken und Wahrnehmung zusammen?</h2>



<p class="kt-adv-heading1835_c119e4-83 wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_c119e4-83">Studien zur Untersuchung von Raumreferenzen in verschiedenen Sprachen, haben gezeigt, dass kulturelle und sprachliche Unterschiede tatsächlich Einflüsse auf die Kategorisierung von Konzepten haben können. So sind Menschen, die Sprachen sprechen, die auf absoluten Richtungen basieren, sehr gut darin, den Überblick über ihre Position zu behalten, auch wenn sie sich in unbekannten Landschaften oder innerhalb fremder Gebäude aufhalten (Lucy, 1992; Levinson, 2003).</p>



<p class="kt-adv-heading1835_0b0935-31 wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_0b0935-31">Ebenso belegen Studien, dass Sprecher*innen von Sprachen, in denen es notwendig ist, die Quelle der Information oder des Wissens sichtbar zu machen, auch dazu neigen, dies präziser und vielfältiger Weise zu tun. Die “Herkunft” von Wissen hat in manchen Sprachen eine größere Relevanz als für andere und führt damit zu einer gesteigerten Aufmerksamkeit, auf die Frage, woher jemand etwas weiß (Matsui, &amp; Fitneva, 2009).</p>



<p class="kt-adv-heading1835_f4d8dd-62 wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_f4d8dd-62">Und auch beim Sprechen über Bewegungsereignisse zeigen sich Einflüsse der sprachlichen Struktur. Und das interessanterweise nicht nur beim Sprechen, sondern auch beim Gestikulieren. Je nachdem Sprachen sprechen, die Art und Weise sowie den Weg einer Bewegung in einer oder zwei Phrasen kodieren, umso unterschiedlicher auch die dazugehörigen Gesten und die hervorgehobenen Aspekte des Ereignisses (Kita &amp; Özyrek, 2003).</p>



<h3 class="kt-adv-heading1835_c5449f-93 wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_c5449f-93">Ändert Sprache unser Denken?</h3>



<p class="kt-adv-heading1835_cab9e4-b5 wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_cab9e4-b5">Sprache kann unsere Konzeptualisierung beeinflussen und die Art und Weise wie wir Ereignisse oder Gegenstände in der Welt wahrnehmen formen. “Thinking for speaking”, Denken für das Sprechen wie Slobin es genannt hat, ist durchaus empirisch belegt. Neue neuronale Verbindungen, die uns völlig neue Erkenntnisse erlauben, bringt das Lernen neuer Sprachen aber nicht mit sich.</p>



<p class="kt-adv-heading1835_d1af14-fa wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_d1af14-fa">Wer noch mehr über dieses Thema erfahren möchte, dem sei einer meiner liebsten TED-Talks empfohlen:</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-ted wp-block-embed-ted wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="Lera Boroditsky: How language shapes the way we think" src="https://embed.ted.com/talks/lera_boroditsky_how_language_shapes_the_way_we_think" width="700" height="394" frameborder="0" scrolling="no" webkitAllowFullScreen mozallowfullscreen allowFullScreen></iframe>
</div></figure>



<p class="kt-adv-heading1835_32b5af-b0 wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_32b5af-b0">Spannende Informationen zur Dokumentation bedrohter Sprachen findet man bei DOBES (<a href="https://dobes.mpi.nl/">https://dobes.mpi.nl/</a>) oder beim ELDP (<a href="https://www.eldp.net/">https://www.eldp.net/</a>).</p>



<h3 class="kt-adv-heading1835_b41f1d-1d wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_b41f1d-1d">Referenzen:</h3>



<p class="kt-adv-heading1835_a81b3e-eb wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_a81b3e-eb">Kita, S., &amp; Özyürek, A. (2003). What does cross-linguistic variation in semantic coordination of speech and gesture reveal?: Evidence for an interface representation of spatial thinking and speaking.&nbsp;<em>Journal of Memory and language</em>,&nbsp;<em>48</em>(1), 16-32.</p>



<p class="kt-adv-heading1835_323865-4a wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_323865-4a">Levinson, S. C. (2003). Space in language and cognition: Explorations in cognitive diversity. Cambridge: Cambridge University Press.</p>



<p class="kt-adv-heading1835_991976-64 wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_991976-64">Lucy, J. A. (1992). Grammatical categories and cognition. A case study of the linguistic relativity hypothesis. Cambridge: Cambridge Univ. Press.</p>



<p class="kt-adv-heading1835_2f0078-e1 wp-block-kadence-advancedheading" data-kb-block="kb-adv-heading1835_2f0078-e1">Matsui, T., &amp; Fitneva, S. A. (2009). Knowing how we know: Evidentiality and cognitive development. New directions for child and adolescent development, 2009(125), 1-11.</p>
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