Gestik-Regeln, die niemand braucht – und warum du sie getrost ignorieren kannst!

Gestik-Regeln entlarvt.

Letzte Woche beim Interview am KIT kam mir eine Idee: Es gibt sooo viele komische Vorstellungen über Gesten und Körpersprache – Zeit mit Euch mit meine „Liebsten“ zu teilen.

Hier meine Top 3 Worst Tipps zur Gestik:

1) Niemals unterhalb des Bauches gestikulieren.

Weil? Wer weiß… vielleicht könnte sonst jemand denken, du versteckst was?


2) Niemals nach unten gedrehte Handflächen benutzen.

Weil du sonst… ein böser Zauberer bist?


3) Niemals große Gesten machen.

Weil Minimalismus angeblich nicht nur für Inneneinrichtung gilt?

Gut, Spaß beiseite. Diese Regeln sind kompletter Unsinn! Denn Gestik funktioniert nicht nach starren Vorschriften – sie ist immer unterschiedlich, je nach kommunikativer Situation oder Aufgabe.

1) Wenn du erklärst, wie niedrig etwas ist, musst du manchmal unterhalb des Bauches gestikulieren.
2) Wenn du zeigen willst, dass etwas glatt streichst oder du unterstreichen möchtest, dass du etwas „total“ gut findest, dann sind nach unten gedrehte Handflächen absolut notwendig.
3) Und wenn du auf einer Bühne stehst, sind große Gesten manchmal hilfreich – so nimmst du auch die Leute in der letzten Reihe mit.


Fazit: Gestik ist kein starres Regelwerk – sie ist flexibel und hängt vom sprachlichen und interaktiven Kontext ab. Wer sie „reglementieren“ will, verpasst ihr ganzes Potenzial!

Autor

  • Dr. Jana Bressem – Gestiktrainerin und Gestenforscherin

    Jana Bressem ist Gestenforscherin, promovierte Sprachwissenschaftlerin und Trainerin für Gestik und Körpersprache. Nach über 20 Jahren in Forschung und Lehre — unter anderem zu interkultureller Kommunikation und Mensch-Maschine-Interaktion — gibt sie dieses Wissen in Trainings, Vorträgen und Beratungen weiter.

    Sie hilft Lehrenden, Inhalte wirkungsvoller zu vermitteln, und Führungskräften, überzeugender aufzutreten — ohne aufgesetzt zu wirken. Ihr Ansatz: kein Antrainieren, sondern Freilegen, was bereits in Ihnen steckt.